Mittwoch, 4. April 2012

Von Ghana in die Elfenbeinküste

Da sich auch mein Visumsantrag für Liberia, den ich wie schon berichtet, in Accra eingereicht hatte, verzögerte, beschloss ich die Großstadt Accra Richtung Westen zu verlassen und ein paar Strandtage anzuhängen. Ich machte mich also auf den Weg nach Kokrobite, das ca. 30 km westlich von Accra liegt. Bisher hatte ich mich ja mit Beschreibungen und Empfehlungen für meine Unterkünfte zurückgehalten, da diese einfach nach dem Prinzip "je billiger, desto besser" ausgewählt wurden, und deshalb nicht erwähnenswert waren. In Ghana, das eine richtige Tourismusinfrastruktur hat, hat sich das geändert. Denn hier gab es nun Unterkünfte, die nach wie vor günstig waren, aber gleichzeitig viel auf angenehme Atmosphäre setzten. Eine solche Unterkunft hatte ich in Kokrobite bezogen: Big Milly's Backyard. Big Milly's wird von einem englisch-ghanaischen Pärchen geführt: Wendy und Seto - zwei sehr sympathische Menschen. Trotzdem war ich direkt nach meiner Ankunft in Big Milly's von der "location" nicht wirklich angetan. Der Grund dafür waren die europäischen Strandurlauber, die sich hier eingefunden hatten und nicht übers Raunzen hinauskamen, und das obwohl sie gar keine ÖsterreicherInnen waren (sondern hauptsächlich aus England, Deutschland und den Niederlanden). Also setzte ich mich mal an die Bar, bestellte ein Bier und tat so, als würde ich keine der Sprachen um mich herum verstehen.

Meine geliebte Big Milly's Bar (früh am Morgen)
Ja, und nach dem zweiten Bier auf nüchternen Magen verstand ich dann wirklich fast nichts mehr. Der positive Effekt war, dass ich mich langsam einzuleben begann. Gleichzeitig kamen an der Bar nun auch interessante Gespräche und Diskussionen zustande, abseits von "oh, mir ist soooooooo langweilig" oder "hier funktioniert aber auch gar nichts". Um die Mittagszeit verzog ich mich in mein Zelt, um den Nachmittag wieder nüchtern entweder schwimmend im Atlantik oder am Strand entlang joggend zu verbringen. Der Abend war dann absolut genial: Ich sicherte mir schon frühzeitig einen guten Platz an der gemütlichen Big Milly's Bar, die sich inzwischen als gemischt (sprich afrikanisch und europäisch besetzt) präsentierte und von wo aus ich dem nächtlichen Live-Reggae-Konzert lauschen durfte. Und so verbrachte ich dann die folgenden Tage zwichen Schwimmen, Joggen, Big Milly's Bar und gemütlicher Musik.

Kokrobite ist eigentlich ein traditionelles Fischerdorf, was man auch sieht, sobald man sich an den Strand begibt.
Von Kokrobite ging es dann wieder zurück nach Accra, um mein Visum für Liberia abzuholen. Mit den Visen für die Elfenbeinküste und Liberia in der Tasche begann nun mein eigentlicher Ghana-Aufenthalt. Vorerst ging es von Accra zurück nach Tema und über Kpong nach Peki, einem verschlafenen Nest in mitten der wunderschönen Volta-Region. In Peki fand ich wieder ganz zufällig eine richtig gemütliche Unterkunft, den Roots Yard, der so wie Big Milly's Backyard von einem englisch-ghanaischen Pärchen betrieben wird. Roots Yard und Big Milly's Backyard versprühen beide einen gemütlichen Rastafari-Flair. Außerdem besticht der Roots Yard mit seiner veganischen Küche, was eine willkommene Abwechslung zum ständigen Perlhuhnessen war.
Jacqueline und Bob, die Betreiber des Roots Yard in Peki
Von Peki ging es dann weiter Richtung Norden: Have, Kpandu, Worawora und Dambai. In Dambai setzte ich dann mit der Fähre über den Volta - auch wieder so ein Kindheitstraum, der in Erfüllung ging.

Überquerung des Volta (Dambai im Hintergrund)
Auf der Fähre über den Volta wurde ich von Kwabena, einem Handwerksschullehrer, angefragt, ob ich auch nach Tamale unterwegs wäre. Auf mein Kopfnicken hin schlug er vor, dass wir uns auf der anderen Uferseite gemeinsam ein Buschtaxi nach Tamale nehmen könnten. Ich zeigte dann kurz auf mein Auto und bot ihm an, dass er bei mir mitfahren kann, sofern es ihm nichts ausmachte, dass ich nicht die direkte Route nach Tamale fahren würde. Kwabena war einverstanden. Also fuhr ich mit meinem neuen Reisebegleiter wieder mal mitten durchs Nirgendwo. Vor allem die Strecke von Dambai nach Kpandae führte durch sehr abgelegene Dörfer. Nach Kpandae ging es weiter über Bimbila und Yendi nach Tamale. Ich genoss diese Fahrt sehr, da ich mit Kwabena einen lokalen Führer neben mir hatte, der mir die Geschichte der einzelnen Dörfer, die wir abfuhren, erzählte. Viele dieser Dörfer, die ich an diesem Tag bereiste, wurden in den 60er Jahren im Zuge des Akosombo-Staudammprojektes umgesiedelt. Kwabena schien die Fahrt auch zu genießen, da sie es ihm ermöglichte eine Gegend zu bereisen, die zwar gleich in der Nachbarschaft zu seinem Wohnort liegt, die er aber noch nie zuvor besucht hatte. Nach einem Kurzaufenthalt in Tamale ging meine Reise weiter über Yapei nach Damongo und dann über Larabanga zu meinem Hauptziel in Ghana, dem Mole Nationalpark. Ich verbracht insgesamt fünf Tage/Nächte im Nationalpark. Zwei davon im "Hauptquartier" in Mole und drei im Zelt im Herzen des Nationalparks, begleitet von  meinem "guide" Issah. Inzwischen wurde ich schon gefragt, was ich denn überhaupt noch in den Nationalparks suche, da ich ja eh schon die meisten Tiere gesehen hätte. Ich weiß auch nicht genau, was ich suche, aber ich kann auch meinem 500sten Elefanten zwei Stunden beim Fressen und Plantschen zuschauen. Und im Mole Nationalpark hatte ich das Vergnügen wieder viele Elefanten zu sehen.


Elefanten beim Plantschen in der Wasserstelle in Mole
Abgesehen von den Elefanten gab es noch weitere "Highlights": die sehr schönen Bleichböckchen, eine Tüpfelhyäne und eine unvergessliche Nachtfahrt. Obwohl die Nachtfahrten in Mole offiziell untersagt sind, konnte ich Issah dazu überreden eine Ausnahme zu machen. Die Nachtfahrt verlief relative ruhig und unspektakulär, abgesehen von Buschhasen und diversen Mäusen und Ratten. Plötzlich stand dann aber ein Stachelschwein mitten in meinem Scheinwerferlicht. Nachdem ich nun schon Stachelschweine in diversen Ländern in Afrika (Ost-, West- und Zentralafrika) gesehen habe, stelle ich die Behauptung auf, dass genau dieses Tier bei vielen Afrikanern zu einer direkten Aktivierung des Jagdtriebes führt. Und so schrie mich auch der Nationalparkführer Issah mit funkelnden Augen an und befahl mir das Stachelschwein sofort anzufahren. Da ich mich weigerte, schnappte er sich die Machete, sprang aus dem Auto und auf das Stachelschwein zu. Ich half insofern mit, als dass ich versuchte das Stachelschwein mit meinem Fernlicht zu "beleuchten". Das ganze spielte sich dann so ab, dass ich mitten durch die ghanaische Savanne fuhr, in meinem Scheinwerferlicht ein flüchtendes Stachelschwein verfolgt vom macheteschwingenden Jäger. Ich lachte mich halb tot, ob dieses göttlichen Schauspiels. Zusätzlich kamen genau jetzt alle möglichen Tiere zum Vorschein und, um meinen "guide" ein wenig zu ärgern, begann ich ihm, während er dem Stachelschwein hinterherjagte, Fragen zu stellen - immerhin war er nach wie vor mein Nationalparkführer, wenn gleich gerade in einer Doppelfunktion als Jäger: "Issah, schau die Antilopen hinten rechts, sind das Bleichböckchen oder junge Grasantilopen?". Issah unterbrach für wenige Sekunden seine Jagd, erklärte mir kurz, warum das Bleichböckchen waren und konzentrierte sich wieder auf sein potentielles Opfer. Nachdem das Stachelschwein mehr als 10 Minuten im Zick-Zack herumgelaufen war und Issah schon schwer angeschlagen, kaum mehr die Verfolgung aufrechterhalten konnte, setzte der Nager zu einem letzten Sprint an und verschwand für immer im afrikanischen Busch. Issah und ich brauchten einige Minuten, um wieder zu Atem zu kommen. Issah aufgrund seiner erfolglosen Jagd, ich, weil ich vor lauter Lachen kaum mehr Luft bekommen hatte. Und so fuhren wir zurück in unser Zeltlager, der eine um eine Beute ärmer, der andere um eine Beute (Geschichte) reicher.

Und wie schon in meinen vorangegangenen Blogs, hier die Liste meiner Sichtungen im Mole Nationalpark:

Säuger: Anubispavian (Papio anubis), Husarenaffe (Erythrocebus patas), Westliche Grünmeerkatze (Chlorocebus sabaeus), Buschhase (Lepus saxatilis), Gestreiftes Borstenhörnchen (Euxerus erythropus), Stachelschwein (Hystrix cristata), Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta), Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana), Warzenschwein (Phacochoerus africanus), Afrikanischer Büffel (Syncerus caffer), Buschbock (Tragelaphus scriptus), Kronenducker (Sylvicapra grimmia), Rotflankenducker (Cephalophus rufilatus), Bleichböckchen (Ourebia ourebi), Kob (Kobus kob), Wasserbock (Kobus ellipsiprymnus), Kuhantilope (Alcelaphus buselaphus major), Pferdeantilope (Hippotragus equinus), sowie diverse Mäuse, die ich nicht bestimmen konnte.


Anubispavianjungtier (Papio anubis) auf seiner Mutter reitend
Buschbockweibchen (Tragelaphus scriptus) in der Nähe von Mole
Bleichböckchen (Ourebia ourebi) nicht unweit des Brugbani Camps
Drei junge, unbeaufsichtigte Wasserböcke (Kobus ellipsiprymnus) in der Nähe des Lovi-Flusses

Vögel: Graureiher (Ardea cinerea), Purpurreiher (Ardea purpurea), Kuhreiher (Bubulcus ibis), Mangrovenreiher (Butorides striatus), Wollhalsstorch (Ciconia episcopus), Hagedasch (Bostrychia hagedash), Gaukler (Terathopius ecaudatus), Kappengeier (Necrosyrtes monachus), Bandschlangenadler (Circaetus cinerascens), Sperberbussard (Kaupifalco monogrammicus), Salvadoribussard (Buteo auguralis), Doppelspornfrankolin (Francolinus bicalcaratus), Felsenrebhuhn (Ptilopachus petrosus), Helmperlhuhn (Numida meleagris galeata), Mohrensumpfhuhn (Amaurornis flavirostris), Blaustirn-Blatthühnchen (Actophilornis africana), Wassertriel (Burhinus vermiculatus), Braunstirnregenpfeifer (Charadrius forbesi), Grünschenkel (Tringa nebularia), Buschflughuhn (Pterocles quadricinctus), Waalietaube (Treron waalia), Röteltaube (Streptopelia vinacea), Erzflecktäubchen (Turtur abyssinicus), Halsbandsittich (Psittacula krameri), Mohrenkopfpapagei (Poicephalus senegalus), Schwarzschwanz-Lärmvogel (Crinifer piscator), Schildturako (Musophaga violacea), Spornkuckuck (Centropus senegalensis), Fleckenuhu (Bubo africanus), Schleppennachtschwalbe (Caprimulgus climacurus), Graukopfliest (Halcyon leucocephala), Zügelliest (Halcyon malimbica), Scharlachspint (Merops nubicus), Rotkehlspint (Merops bullocki), Zimtroller (Eurystomus glaucurus), Opalracke (Coracias cyanogaster), Senegalracke (Coracias abyssinicus), Baumhopf (Phoeniculus purpureus), Grautoko (Tockus nasutus), Nördlicher Hornrabe (Bucorvus abyssinicus), Goldscheitelwürger (Laniarius barbarus), Schwarzohrpirol (Oriolus auratus), Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis), Geradschwanzdrongo (Dicrurus ludwigii), Purpurglanzstar (Lamprotornis purpureus), Gelbschnabel-Madenhacker (Buphagus africanus), Bergammer (Emberiza tahapisi), und viele weitere KBVs und KSVs.

Salvadoribussard (Buteo auguralis)
Manche "Birdwatcher" kommen nur wegen ihm in den Mole Nationalpark (und bekommen ihn dann trotz tagelanger Suche doch nicht zu Gesicht): Braunstirnregenpfeifer (Charadrius forbesi)
Ein Scharlachspint (Merops nubicus) beim Landeanflug

Bergammer (Emberiza tahapisi)
Reptilien: Nilkrokodil (Crocodylus niloticus), Siedleragame (Agama agama), Gelbkopf-Zwerggecko (Lygodactylus picturatus), Blauschwanzskink (Trachylepis quinquetaeniata).

Nach meinem Aufenthalt im Mole Nationalpark fuhr ich wieder zurück nach Larabanga und von dort über Sawla nach Bole. Es war geplant, dass ich von Bole nach Chache fahre, um dort in die Elfenbeinküste überzusetzen. Ich fand aber heraus, dass die Fähre in Chache, um den Schwarzen Volta zu überqueren, derzeit nicht einsatzfähig ist. Deshalb fuhr ich weiter in den Süden nach Wenchi, um von dort zum Grenzübergang nach Sampa zu fahren. Die Ausreise aus Ghana verlief genauso wie die Einreise in die Elfenbeinküste in Soko ohne Probleme. Von Soko ging es dann weiter nach Bondoukou, meinem ersten Zwischenstopp in der Elfenbeinküste. Ich lernte relativ schnell, dass ich mich wieder umstellen musste. Während Ghana sich als unglaublich freundliches und offenes Land präsentierte, waren die Ivorer bedeutend unzugänglicher, was natürlich ganz stark mir dem Bürgerkrieg/Unruhen der letzten zwei Jahre und auch mit der Rolle der Europäer während dieses Konflikts zusammenhängt. In diversen Diskussionen der letzten Woche durfte/musste ich dieses einseitige Eingreifen der Europäer in diesem Konflikt rechtfertigen oder zumindest erörtern - und das obwohl ich mich derzeit nur im Norden des Landes aufgehalten habe; sprich der Heimatregion jenes Mannes, der als Sieger aus diesem Konflikt hervorgegangen ist: Alassane Ouattara. Aber eben selbst die Anhänger Outtaras sind mit dem Verhalten der UNO und vor allem dem französischen Militär sehr "unglücklich". Die Tatsache, dass der Kontrahent, Laurent Gbagbo, inzwischen in Den Haag auf seinen Prozess wartet, scheint nicht wirklich zur Versöhnung der beiden Lager beizutragen - meinem Gefühl nach ist das Gegenteil der Fall. Was die Sache für mich besonders unangenehm macht, ist die Tatsache, dass ich die meisten dieser politischen Diskussionen nicht abends gemütlich in einer Bar führe, sondern in einer ohnehin immer sehr angespannten Situation bei den Polizeikontrollen. Das heißt, meine Polizeikontrollen laufen derzeit so ab, dass ich erst meine persönlichen Papiere und dann jene für das Auto vorzeigen und eben anschließend die Rolle Frankreichs in der Elfenbeinküste erklären muß. Zusätzlich hatte auf meiner bisherigen Reise noch kein Land - mit Ausnahme Nigerias - Polizeikontrollen in dieser Intensität vorzuweisen. Aber Probleme sind zum Lösen da und die Lösung des oben genannten Problems ist das Meiden von Hauptverkehrsadern. Also ging es von Bondoukou auf einer ziemlich "anspruchsvollen" Straße nach Nassian und von dort nach Kakpin - eines der Dörfer, von wo aus der Nationalpark Comoé betreten werden kann. Meinen Aufenthalt im Nationalpark Comoé hatte ich schon zuvor in Nassian mit der dort ansässigen Behörde des Wald- und Wasserministeriums besprochen. Im Zuge der Diskussionen musste ich leider feststellen, dass ein Großteil des Parks derzeit nicht zugänglich ist, weil seit Anfang 2010 weder Straßen, Brücken noch Unterkünfte in Stand gehalten wurden. Die Arbeiten zur Wiederaufnahme des Nationalparkbetriebs waren zwar in vollem Gange, aber eben bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Dennoch war zumindest eine Straße, nämlich jene von Kakpin nach Bania passierbar, und damit für mich die Möglichkeit gegeben, doch noch in den Nationalpark Comoé zu gelangen. Im Nationalpark musste ich dann leider feststellen, dass sich dort derzeit mehr Wilderer befinden, als Tiere, weshalb es für mich nicht so viel (wie ich es sonst gewohnt bin) zu sehen gab:

Säuger: Husarenaffe (Erythrocebus patas), Gestreiftes Borstenhörnchen (Euxerus erythropus), Graufßhörnchen (Heliosciurus gambianus), Große Rohrratte (Thryonomys swinderianus), Buschbock (Tragelaphus scriptus), Gemeiner Riedbock (Redunca redunca), Kob (Kobus kob), Kuhantilope (Alcelaphus buselaphus major), Pferdeantilope (Hippotragus equinus).


Auch wenn es nicht viel zu sehen gab im Nationalpark Comoé, so entdeckte ich doch meine ersten Riedböcke (Redunca redunca) meiner Westafrikareise
Vögel: Kuhreiher (Bubulcus ibis), Gaukler (Terathopius ecaudatus), Doppelspornfrankolin (Francolinus bicalcaratus), Felsenrebhuhn (Ptilopachus petrosus), Kafferntrappe (Neotis denhami), Waalietaube (Treron waalia), Nacktgesicht-Grüntaube (Treron calva), Röteltaube (Streptopelia vinacea), Palmtaube (Streptopelia senegalensis), Mohrenkopfpapagei (Poicephalus senegalus), Schwarzschwanz-Lärmvogel (Crinifer piscator), Schildturako (Musophaga violacea), Spornkuckuck (Centropus senegalensis), Graukopfliest (Halcyon leucocephala), Rotkehlspint (Merops bullocki), Grautoko (Tockus nasutus), Rauchschwalbe (Hirundo rustica), Elfennektarvogel (Cinnyris pulchellus), Schwarzohrpirol (Oriolus auratus), Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis), Purpurglanzstar (Lamprotornis purpureus), Mozambikgirlitz (Serinus mozambicus), und viele weitere KBVs und KSVs.


Kafferntrappe (Neotis denhami)
Graukopfliest (Halcyon leucocephala)
Reptilien: Siedleragame (Agama agama), Brooks Halbfingergecko (Hemidactylus brookii).

Während meiner Nacht in Kakpin, also noch bevor ich den Nationalpark betrat, entdeckte ich noch eine zoologische Besonderheit. Ich hatte gerade eine Suppe auf meinem Campingkocher am Köcheln, als drei nicht weiter identifizierbare und wenig anschauliche Spinnentiere begannen um mich rumzuwuseln und auf mir hochzuklettern. Als ich dann im Schein meiner Taschenlampe (Strom gibt es in Kakpin nicht) die Cheliceren dieser Tiere sah, wusste ich, dass ich definitiv nicht gebissen werden möchte. Das Problem war aber, dass ich die Tiere ohne Taschenlampe nicht sehen konnte, was doch ein wenig unheimlich war, und mit der Taschenlampe die Tiere aber anzog, da sie versuchten innerhalb des Lichtkegels Insekten zu jagen. Ich stellte das Gas des Campingkochers ab und holte meine Kamera, denn hungrig war ich nicht mehr, dafür war dieses Mal mein Jagdfieber geweckt. Es dauerte fast eine Stunde bis ich endlich ein Foto hatte. Das Foto war deshalb wichtig für mich, weil ich vor Ort einfach nicht dahinter kam, um was für ein Spinnentier es sich handelte. Obwohl ich mich im Geiste von Kakpin nach Innsbruck begab, zurück in die Vorlesungen des ehrwürdigen Professors Konrad Thaler, seinerzeit der große Arachnologe an der Universität Innsbruck, versetzte, schaffte ich es nur wage mich daran zu erinnern, dass es neben den Klassikern wie Milben, Spinnen, Skorpione, Weberknecht auch noch so exotische Gruppen, wie Geißel-, Kapuzen- und Walzenspinnen gab. Mein Hirn konnte aber keine dieser Gruppen mit den Krabbeltieren vor mir assoziieren. Ja, und deshalb brauchte ich das Foto, um per Internet das Rätsel zu lösen: Ich hatte in Kakpin meine ersten Walzenspinnen gesehen:


Walzenspinne in Kakpin
Ich wurde erst kürzlich gefragt, ob ich schon kurz vorm "Durchdrehen" bin und wenn ich mir dann solche Geschichten nachträglich durch den Kopf gehen lasse, habe ich wahrscheinlich keine Berechtigung mehr, diese Frage zu verneinen! Aber wie auch immer, der Wahnsinn macht Spaß.

In Bania angekommen ging es leider vorerst zurück auf eine geteerte Straße und damit eine jener Straße mit den oben beschriebenen Polizeikontrollen. Das Ziel war Bouna, von wo die Fahrt immer an den Nationalparkgrenzen entlang von Saye über Téhini nach Kafolo führte. Auf dieser Strecke traf ich interessanterweise jenen Trupp, der vom zuständigen Ministerium abgestellt worden war, um den Nationalpark wieder befahrbar zu machen. Leider war ihr Truck steckengeblieben und da ich Ladekabel mitführe, konnte ich helfen die Batterie wieder aufzuladen und dabei nochmals die Situation des Nationalparks diskutieren.


Der "Straßenfreilegungstrupp" des Nationalpark Comoé
In Kafolo stieg ich dann in der Kafolo Safari Lodge ab, die einzige Unterkunft in der Nähe des Nationalparks Comoé, die noch existiert. Eine wunderschöne Anlage mit allem drum und dran (inkl. Swimmingpool), aber seit zwei Jahren ohne Gäste. Ich glaube, ich muss hier nicht beschreiben, wie ich von der Belegschaft angeglotzt wurde, als ich in der Empfangshalle stand: der erste Tourist seit zwei Jahren. Innerhalb der Lodge werden verschiedenste Vögel gehalten, unter anderem Strauße, denen ich großräumig aus dem Weg ging. Die Pfauen und Kronenkraniche hingegen waren mir egal, was sich dann aber als fataler Fehler herausstellte, da mich schon am ersten Nachmittag einer der Kronenkraniche attackierte.


Verschwörer unter sich - die Kronenkraniche der Kafolo Safari Lodge
Da Kafolo, am berühmten Comoé liegt, habe ich die Möglichkeit genutzt, diesen Fluss doch noch zu sehen  (im Nationalpark war es ja aufgrund der fehlenden Straßen nicht möglich).


Der Comoé
Waschtag für die Lobi-Kinder aus Kafolo (nur zur Information: Die Dioula-Kinder aus Kafolo haben ihren Waschplatz einige Meter weiter flussaufwärts. Diese paar Meter sind aber genug, um klar zu stellen, wer hier über wem steht)
Von Kafolo ging es dann über Nasian und Ferkéssédougou nach Korhogo, der drittgrößten Stadt in der Elfenbeinküste. In Korhogo durfte ich dann nach einem imposanten Sandsturm den Beginn der Regenzeit miterleben. Mit dem Regen habe ich ab jetzt einen neuen Reisebegleiter, der viele Straßen in Westafrika zu einer noch größeren Herausforderung machen wird, als sie ohnehin schon sind. Die nun kommenden Straßen werden mich von Korhogo über Man und Tai nach Tabou führen, wo ich versuchen werde einen Weg nach Liberia, oder genauer gesagt nach Harper, das an der Atlantikküste liegt, zu finden. In Harper beginnt dann ein neues Abenteuer auf der Suche nach befahrbaren Straßen Richtung Monrovia.

Donnerstag, 8. März 2012

Von Togo nach Ghana

Wie in meinem letzten Eintrag angekündigt, ging es vorerst zurück ins Atakora, und zwar von Kara über Niamtougou und Kandé nach Koutammakou. In Koutammakou wurde ich beim Dorfchef vorstellig und holte mir die Erlaubnis ein, ein "tata" von Innen anzuschauen.

Der Dorfchef von Koutammakou
Tatas in Koutammakou
Die tatas sind zweistöckig angelegt, wobei unten die Tiere (Ziegen, Hühner etc.) gehalten werden, im Zwischengeschoß eine Kochnische eingerichtet ist und sich im Obergeschoß drei Schlafnischen befinden: eine für den Mann, eine für die Frau und eine für die Kinder. Der primäre Zweck der "tatas" lag in der Verteidigung: Im Aufgang vom Erd- zum Obergeschoß gab es eine eigene Nische für die Hunde, zwischen der Schlafnische des Mannes und jenem Teil, wo die Ziegen und die anderen Tiere untergebracht wurden, gab es eine Verbindung, über die Pfeile abgeschossen werden konnten und im Obergeschoß gab es eine Kornkammer für den Fall, dass das "tata" belagert werden würde. Zusätzlich installierte man diverse "Erdhügel" vor den „tatas“, die die Gebäude und deren Einwohner auch vor nicht-physischen Angreifern beschützten.

Eine der Schlafnischen
Die Kornkammer
Abschied aus Koutammakou
Von Koutammakou ging es dann über Kandé wieder zurück nach Niamtougou, um von dort über Kouméa nochmals ins Atakora einzutauchen: Pittah, Pya (Geburtsort der Präsidentenfamilie Gnassingbé Eyadéma), Lassa, Soumdina, Landa, Feuda, Eli Malinda. Schlussendlich schaffte ich es aber diese wunderschöne Gegend zu verlassen und fuhr zurück nach Kara, um über Sokodé, Sotouboua, Atakpamé, Notsé und Tsévié in die Hauptstadt Lomé zu gelangen. In Lomé organisierte ich mein Visum für Ghana und vertrieb mir die Wartezeit am idyllischen Stadtstrand.

Strand in Lomé
Als ich mein Visum für Ghana in der Tasche hatte, machte ich mich nochmals Richtung Osten (beninische Grenze) auf. In Agbodrafo, einem kleinen Ort eingebettet zwischen Atlantik und Togosee stieg ich für ein paar Tage bei Mama Irma im Hotel Safari ab. Mama Irma ist eine Schweitzerin (Jahrgang '37), die seit vier Jahrzehnten im Togo weilt. Natürlich hatte Mama Irma viel zu erzählen und ich genoss es in dieser relaxten Atmosphäre entweder morgens bei Tee oder abends bei einem Bier ihrer Lebensgeschichte zu lauschen oder einfach nur Afrika-Erfahrungen auszutauschen. Schön war natürlich auch, dass ich mich endlich wieder mal unterhalten konnte, ohne dass eine Fremdsprache (Deutsch, Englisch oder Französisch) zum Einsatz kam. Von Agbodrafo ging es zurück nach Lomé und von dort über Keve ins Togogebirge und zuerst mal auf den "Berg" Agou, der höchsten Erhebung Togos - immerhin ganze 986m. Ich hatte schon zuvor beschlossen, auf dem Berg zu übernachten, stellte bei meiner Ankunft jedoch fest, dass der Berg militärisches Sperrgebiet war, um den togolesischen Fernsehturm, der sich gleich neben dem "Gipfel" befand, zu beschützen.

Mount Agou mit Fernsehturm
Ich besprach mein Vorhaben mit zwei Militärs, die mir die Erlaubnis zum Campieren ohne große Diskussionen erteilten. Nachdem ich am Gipfel erst fotografiert, gelesen und dahin gedöst hatte, begann ich um 18:00 das Zelt aufzubauen. Wie nicht anders zu erwarten kam genau in diesem Moment einer der Militärs auf mich zu, den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte und der sich als Chef der Truppe vorstellte. Und eben dieser Chef teilte mir dann mit, dass es illegal wäre hier zu campieren, aber, dass er kein Unmensch sei und man sich arrangieren könnte. Ich, unwillig auch nur einen Francs zu bezahlen und auch unwillig mich in Diplomatie zu versuchen, teilte dem Kommandierenden mit, dass, es nichts zu arrangieren gäbe: entweder wäre das Zelten nicht illegal, sondern es geht hier nur um irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten (weil ich nicht zuerst mit dem Befehlshaber sprach, sondern eben mit einigen Untergebenen) oder das Zelten ist wirklich illegal. In diesem Falle könnte er als Verantwortlicher des togolesischen Militärs doch nicht erlauben, dass da Ausnahmen gemacht würden. Naja, damit war die Diskussion dann auch beendet und ich musste den Agou verlassen. Übernachtet hatte ich schließlich in Kpalimé. Von Kpalimé ging es dann über Adéta weiter nach Dzogbégan, wo ich mich in einem Benediktinerkloster einquartierte. Ich verbrachte die Zeit damit durch die benachbarten Dörfer zu wandern und in den Kaffe- und Kakaoplantagen des Klosters einfach die Seele baumeln zu lassen. Frühstück, Mittag- und Abendessen wurden gemeinschaftlich im Speisesaal eingenommen, was einerseits nett war, andererseits auch recht bizarr, weil während dem Essen nicht geredet werden durfte. Es herrschte entweder Stille oder es wurde irgendeinem katholischen Radiosender gelauscht, der ohne müde zu werden, Bibelzitat um Bibelzitat rezitierte. Nach dem Essen wurde gemeinschaftlich abgewaschen - eigentlich auch ganz nett, aber wieder ohne ein Wort zu wechseln. Sobald der Speisesaal aber verlassen wurde ging es los: während ich es schon gewohnt war, dass in den Dörfern die Kinder auf mich losgestürmt kommen, um mich mit Fragen zu löchern oder zumindest nach einem Geschenk zu fragen, war es dieses Mal so, dass die jungen Novizen mir nachrannten, um mich mit Fragen zu löchern. Es schien, als wäre ich in dieser doch eher abgelegenen Gegend, eine willkommene Abwechslung. Die Novizen konnten es nicht fassen, dass ein Weißer alleine durch Afrika reist und dann auch noch durch solche abgelegenen Gegenden fährt, ich hingegen konnte es, als überzeugter Atheist, nicht fassen, dass man sich schon in so jungen Jahren dafür entscheidet, sein ganzes Leben einem Gott zu widmen. Einem Gott, der bis vor gar nicht so wenigen Generationen, noch nicht mal ihr Gott war. Dieses auf beiden Seiten vorhandene "Nicht-fassen-können“ führte aber zu wirklich interessanten Gesprächen. Wieder um eine Lebenserfahrung reicher ging es dann zurück über Adéta nach Kpalimé. In Kpalimé gab es interessanterweise eine recht entwickelte touristische Infrastruktur, die es Touristen erlaubte, das umliegende Togogebirge zu bewandern und zu erleben. Mich persönlich hat das aber eher genervt, weil du keinen Schritt machen konntest, ohne dass ein potentieller "guide" zur Stelle war, der dir dieses und jenes zeigen wollte. Mein Plan war - ohne "guide" - nach Kouma-Konda zu fahren, um den Mt. Klouto zu besteigen. Als ich aber in Kouma-Konda ankam, hatte ich schon unzählige Diskussionen mit potentiellen "guides" und der Gendarmerie hinter mir, so dass ich mich entschloss den nächst möglichen Grenzübergang zu suchen, um mich nach Ghana abzusetzen. Dieser Grenzübergang war auch keine 15 Minuten entfernt und so setzte ich in Dafor von Togo nach Ghana über. Leider stellte sich raus, dass ich mit einem Auto aus einem zentralafrikanischen Land nicht in Dafor nach Ghana einreisen dürfte, sondern einen Grenzübergang weiter im Süden zu wählen sei. Das Problem war, dass der Zoll in Dafor nicht die Berechtigung hatte ausländische (sprich nicht-westafrikanische) Autos nach Ghana einreisen zu lassen. Nach zweistündigen Diskussionen zu diesem Thema konnten wir uns darauf einigen, dass ich nicht zurück in den Togo fahren muss (weil auch kein gültiges Visum mehr für dieses Land vorhanden war), dafür aber einer der Zöllner mich in die nächste, größere Stadt begleitet, um dort die notwendigen Formalitäten zu erledigen. Also fuhren Martin, ein leicht übermotivierter Jungzöllner, und ich nach Ho - eine 1,5 Stunden Autofahrt mit dem Resultat, dass ich nun fast die gesamten Gesetzestexte zum Thema Zoll in Ghana auswendig kenne. In Ho ging die Suche nach einer Lösung für meine gabuner Autonummertafel weiter. Nach insgesamt sechs Stunden Diskussionen hatte ich dann plötzlich meinen Passagierschein fürs Auto in den Händen - ohne auch nur einen Cedi Motivationsgeld zu bezahlen und vor allem ohne zu verstehen, warum es dann am Ende doch funktioniert hat. Das war aber egal, weil nun mein Auto, so wie ich ein 1-Moantsvisum für Ghana hatte. Am darauffolgenden Tag ging es dann weiter Richtung Süden durch die Shai Hills, um über Tema nach Accra zu gelangen.

In meinem Eintrag vom 16. Dezember 2011 hatte ich meine Reiseroute gepostet. Aber in Accra angekommen, begab ich mich nicht auf die burkinabische Botschaft, sondern suchte die Vertretung der Elfenbeinküste auf. Bisher hatte ich alle meine Visen innerhalb von 30 Stunden erhalten. Jenes für die Elfenbeinküste dauerte insgesamt eine Woche, auch deshalb, weil hier zum Teil Dokumente benötigt wurden, die die Botschaften Kameruns, Nigerias, Benins, Togos oder Ghanas nie haben wollten. Aber ich habe das Visum inzwischen. Weil ich aber nicht vorhabe nach Abidjan zu reisen, begann ich auch gleich das Visum für Liberia in Accra zu organisieren. Auch dieses Visum scheint nicht so einfach zu sein. Trotzdem schaffte ich es, dass mein Visumsantrag heute angenommen wurde. Für den kommenden Montag erhielt ich zumindest einen Vorstellungstermin, der hoffentlich Früchte tragen wird. Sobald ich mein Visum für Liberia erhalten habe, geht es zurück nach Ho, um am Voltasee entlang nach Norden, nach Tamale zu fahren. Von Tamale aus versuche ich dann einen Weg nach Chache zu finden, um dort in die Elfenbeinküste einzureisen. Bis das Visum für Liberia erledigt ist, bleibe ich in Accra. Accra ist die erste Stadt auf meiner Reise, in der es Spaß macht, so was wie "sightseeing" zu betreiben. Auf der anderen Seite ist es auch eine unglaublich große und deshalb sehr stressige Stadt. Glücklicherweise, habe ich ein recht zentral gelegenes "guesthouse" gefunden, dass trotz der guten Lage so versteckt ist, dass ich seit einer Woche mehr oder weniger der einzige Gast bin. Die ganzen Verzögerungen aufgrund der Visenanträge führte dazu, dass ich den 06. März, den "independence day" Ghanas in Accra miterleben durfte - zumindest theoretisch. Die Festlichkeiten mit Ansprache des Präsidenten John Ata Mills am "independence square" starteten offiziell um 08:00. Ich als alter Gabuner wusste, dass es früh genug war, mich um 11:00 auf den Weg zu machen. Das Ergebnis ist, dass ich heute weiß, dass Ghana nicht Gabun ist. Anstatt dem Festakt beizuwohnen, durfte ich bei den Aufräumarbeiten zuschauen und erfahren, dass die Zeremonien am "indpendence square" wirklich um 08:00 angefangen hatten.

... und da waren sie schon weg; "Independance Day" am Unabhängigkeitsplatz
Ich schreibe diese Anekdote auch deshalb, um kurz aufzuzeigen, dass Ghana, auch wenn ich erst seit knapp einer Woche hier bin und das deshalb vielleicht nicht entsprechend beurteilen kann, im Vergleich zu allen anderen Ländern, die ich auf dieser Reise durchquert habe, richtig gut organisiert ist. Es macht auch Spaß ghanaische Zeitungen zu lesen, da es hier einen richtigen, demokratischen Diskurs unter den verschiedenen "playern" zu innen- und außenpolitischen, sowie sozialen Themen gibt. Ich habe hier zum ersten Mal das Gefühl in einem afrikanischen Land zu sein, dass den Weg aus dem "Sumpf" schaffen könnte. Ich würde es den unglaublich freundlichen Ghanaern wünschen.

Samstag, 11. Februar 2012

Au Revoir Bénin!

Cotonou hatte mich schlussendlich für ganze 10 Tage in seinen Fängen. Solange dauerte es, bis das Auto repariert und vor allem auch die entsprechende Rechnung bezahlt waren. Ich schaute mir die Stadt in diesen 10 Tagen ein wenig an, muss mir aber wieder einmal eingestehen, dass ich einfach nicht der Typ für afrikanische Großstädte bin. So kämpfte ich mich zum Beispiel einen Nachmittag lang durch den größten Markt in Cotonou: Dantokpa. Nach einer Stunde Drängeln, Feilschen und Gruppenschwitzen verkroch ich mich zum Tee bei einem nigrischen Schuhverkäufer. Ich saß keine zwei Minuten als direkt vor mir ein abgestelltes Motorrad von einem zuliefernden Kleinlaster zermalmt wurde. Und, anstatt mich gemütlich mit meinen nigrischen Freunden zu unterhalten, befand ich mich nun aufgrund dieses Unfalls nicht mehr am Rande des Dantokpa-Marktes, sondern mitten in einem Tumult geprägt von lauten Diskussionen und wildem Gestikulieren.

Ein Teil des Dächerwaldes des Grand Marché de Dantokpa in Cotonou
Als ich letztendlich den Markt verließ, fuhr ich ohne Umwege zurück in meine Unterkunft, um mich den restlichen Tag von den Marktstrapazen zu erholen. Dennoch hatte Cotonou auch seine angenehmen Seiten: der wunderschöne Strand, die Möglichkeit Freunde zu besuchen, internationale Küche (von Sushi bis zum Falafel-Sandwich war in den 10 Tagen viel nicht-afrikanisches Essen mit dabei) und natürlich die Fernseher und Leinwände, die in allen kleineren und größeren Cafés und Bars aufgestellt worden sind, um den Afrikacup, der gerade in Gabun und Äquatorialguinea abgehalten wird, zu verfolgen. Ich war selbstverständlich immer mit meinem Gabun-Shirt dabei und durfte zumindest während der Vorrunde ausgiebig jubeln.


Zu Besuch bei meinem ehemaligen Chef aus Lambaréné-Zeiten Akim Ayola Adegnika
Als mein Auto dann endlich freigegeben wurde, ging es auf der sogenannten "route des pêches", an der wunderschönen Atlantikküste Benins, entlang Richtung Quidah. Von Cotonou nach Quidah sind es ein wenig mehr als 40 km. Dennoch vergingen zwischen meiner Abfahrt in Cotonou und meiner Ankunft in Ouidah drei Tage. Der Grund dafür war, dass ich mich während der Fahrt entlang der Atlantikküste entschied, ein paar Strandtage einzulegen. David Devissoe, Ghanaer und Sekretär des "chef du village" in Kouvenafide, einem verschlafenen Fischerdorf an der beninischen Atlantikküste, bot mir an mein Zelt gleich neben seinem Haus aufzustellen und somit eben bei ihm, seiner Frau und den 13 Kindern meinen Strandurlaub zu verbringen. Also verbrachte ich die nächsten Tage bei den Fischern von Kouvenafide: Morgens half ich mit die Fischerboote vom Meer auf den Strand zu ziehen, vormittags und nachmittags wurde zwischen Lesen und Schwimmen abgewechselt und die Abende verbrachte ich bei der Familie Devissoe. Und vor allem diese Abende versprühten wieder den Zauber Afrikas: frischer Fisch, Geschichtenerzählen (meist in 4 Sprachen gleichzeitig: Englisch, Ewe, Fon und Französisch), Tanz, Gesang und Trommeln und all dies während du auf einer Bastmatte am Strand liegst, hinter dir die Wellen des Atlantiks, die den Strand umspülen, und über dir der afrikanische Nachthimmel - kitschig, aber wunderschön.

Abends werden sowohl die Boote als auch die Netze gewartet, da es schon um 04:00 früh wieder raus aufs Meer geht.
Mein ständiger Begleitschutz: Die Kinder von Kouvenafide
Meine Rettungsschwimmer in Kouvenafide. Ich bin ja nach wie vor ein sehr schlechter Schwimmer und der Wellengang war nicht ohne!
Meine Strandgefährten in Kouvenafide
Obwohl es sehr verlockend war noch länger in Kouvenafide zu weilen, entschloss ich mich meine Reise fortzusetzen. Vorerst nach Ouidah, wo ich mir den "porte du non-retour", den größten Sklavenverschiffungshafen in dieser Region anschaute und die sogenannte "route des esclaves" abfuhr.


Mahnmal am Porte du Non-Retour
Von Oudiah ging es dann über Comé, Lokossa, Abomey, Bohicon, Dassa-Zoumé, Savé, Tchaourou, Parakou, Ndali und Bembéréké zurück in den Norden nach Kandi, wo ich ja bekanntlich meine ersten Tage nach dem Grenzübertritt in den Benin verbracht hatte. Von Kandi aus machte ich mich dann gemeinsam mit meinem "guide" Aziz Tikpi auf nach Alfakoara und von dort in den Nationalpark "W". Dieser Nationalpark erstreckt sich über die drei Länder Benin, Burkina Faso und Niger. Mit der Eintrittskarte für den Park erhielt man auch die Erlaubnis sich innerhalb dieser drei Länder aufzuhalten, auch wenn die entsprechenden Visen nicht vorhanden waren. So fuhren wir gleich am ersten Tag von Alfakoara zum Point Triple, wo sich die Grenzen der drei Länder treffen; über burkinabisches Staatsgebiet ging es nach Pérélégou im Niger und dann nach Tapoa, das direkt am Niger liegt. Am Nigerufer stellte ich mein Zelt auf und im Gegensatz zu meiner ersten Nigerbegegnung in Nigeria war ich dieses Mal zwar zu spät für den Sonnenuntergang, dafür aber anwesend, um den Sonnenaufgang zu dokumentieren.

Sonnenaufgang am Niger (Tapoa, Niger)
Von Tapoa ging es dann am zweiten Tag im W-Park querfeldein zurück nach Pérélégou. Die Stadt Pérélégou hat ganze zwei Einwohner, weshalb sich die Population durch die Ankunft von Aziz und meiner Person verdoppelte. Die beiden Einwohner waren zwei Militärs, die nach Pérélégou abgestellt wurden, um dort "Jagd" auf Wilderer zu machen. Die vollautomatischen Waffen der beiden Militärs und die Wilderergeschichten, die abends am Lagerfeuer zum Besten gegeben wurden, beruhigten mich aber eher weniger. Dennoch entschloss ich mich nicht in der Baracke zu übernachten, sondern innerhalb des umzäunten Lagers mein Zelt aufzustellen. Der Chef der beiden Militärtypen ließ es natürlich nicht auf sich sitzen, dass der Weiße draußen in der Wildnis schläft, während die "Krieger" sich in ihre Baracke verkriechen, und baute deshalb seine Schlafstatt für diese Nacht gleich neben meiner auf. Da sich das Lager gleich neben einem Sumpf befand - Warzenschweine, Nilkrokodile und Schreiseeadler (Afrikanischer Fischadler) hatte ich schon am Abend gesichtet -, bestand die Chance auch nachts ein paar Tiere zu Gesicht zu bekommen (oder zumindest zu hören). Zu meiner Überraschung hörte ich dann aber noch vor dem Schlafengehen einen Hund bellen - und das mitten in der nigrischen Wildnis. Ich befürchtete schon, dass der Hund, der bis dahin offensichtlich versteckt gehalten wurde, jegliche Wildtiere davon abhalten würde auch nur irgendwie in die Nähe des Lagers zukommen. Etwas ungläubig erfuhr ich dann aber, dass der Hund, den ich vermeintlich gehört hatte, in Wirklichkeit eine Schirrantilope (Buschbock) war, die ich untertags schon einige Male gesichtet hatte. Da ich wusste, dass ich wie immer sehr tief schlafen würde, bat ich den nigrischen Militär mich zu wecken, falls sich irgendwelche Tiere bemerkbar machten. Und um 02:00 Uhr in der Nacht war es dann so weit: eine weitere, ich nenne es mal afrika-stereotype Begebenheit: Ich sitze nachts in der afrikanischen Savanne umgeben von Löwengebrüll - beängstigend und faszinierend zugleich. Zufrieden ging die Fahrt am nächsten Tag weiter. Inzwischen hatten Aziz und ich die Plätze getauscht. Er war nun der Fahrer und ich konnte mir in Ruhe die Tiere anschauen. Von Pérélégou ging es zurück nach Burkina Faso (Point Triple) und dann Koudou, das direkt an der beninisch-burkinabischen Grenze liegt. Nicht unweit von der Koudou-Wasserstelle bauten Aziz und ich das Camp für die dritte Nacht im Nationalpark "W" auf.

Wasserböcke (Kobus ellipsiprymnus) an der Wasserstelle in Koudou
Diese Nacht brachte keine weiteren Wildtiersichtungen, weshalb ich mich bereit erklärte am Lagerfeuer das Kochen zu übernehmen: Makkaroni in Tomatensauce (Ich hatte in Kandi noch Gemüse auf dem Markt gekauft). Aziz, mein "guide" erzählte vom Nationalpark und seiner Ausbildung. Ich sollte hier erwähnen, dass ich inzwischen schon etliche afrikanische Nationalparks mit verschiedensten "guides" besucht habe, aber bisher war noch keiner dabei, der an die Qualität von Aziz herankam. Die großen Säuger hat ja jeder "guide" relativ schnell intus; das ornithologische und botanische Wissen von Aziz war aber schon sehr beeindruckend. Der nächste Tag führte uns dann zurück zum Nationalparkeingang nach Alfakoara. Bei meiner Ankunft in Alfakoara vor drei Tagen hatte ich aber schon mit Interesse bemerkt, dass sich gleich hinter dem Parkeingang eine Wasserstelle befindet. Mit Aziz einigte ich mich dann darauf, dass ich eine weiter Nacht anhängen und auf dem Hochstand der Wasserstelle in Alfakoara übernachten würde. Nachmittags um 15:00 packte ich meine sieben Sachen zusammen und begab auf den schon erwähnten Hochstand, wo ich mein Moskitonetz aufbaute und Kamera und Fernglas entsprechend positionierte. Bis zum nächsten Morgen um 10:00 Uhr gehörte die Wasserstelle nur mir und es sollte eine weitere unvergessliche Nacht werden. Schon nachmittags kamen die ersten Besucher zur Wasserstelle:

Elefanten (Loxodonta africana) an der "Mare Alfakoara"
Aber was sich dann in der Nacht abspielte, war atemberaubend. Mit der untergehenden Sonne, begaben sich die etwa 30 Nilkrokodile dieser Wasserstelle, die sich bis dahin am Ufer gesonnt hatten ins Wasser und damit auf die Jagd. Die ganze Nacht konnte ich die Krokodile im Wasser hören - eben immer dann, wenn ihre Jagd erfolgreich war und sie sich ans Fressen machten.

Ein Nilkrokodil (Crocodylus niloticus) beim Verspeisen eines Hammerkopfs (Scopus umbretta)
Die Höhepunkte waren aber die sanften Riesen. Die ganze Nacht brachen immer wieder Elefantengruppen, die aufgrund des Mondlichtes relativ gut sichtbar waren, durchs Dickicht, um an der Wasserstelle zu trinken. Ja und ich schaute einfach nur zu und war glücklich!
Am nächsten Tag war der Plan vom Nationalpark "W" direkt in den Nationalpark "Pendjari" weiterzufahren. Ich willigte dann aber ein von Alfakoara nach Kandi zurückzufahren, um mich dort mit dem Nationalparkdirektor und seinem Verantwortlichen für Finanz und Administration zusammenzusetzen. In einer fünfstündigen Arbeitssitzung diskutierten wir Möglichkeiten, um Management und Marketing des Nationalparks zu verbessern, sowie Strategien die angrenzenden Dörfer und deren Bewohner stärker in das Nationalparkprojekt einzubinden. Nach einer weiteren Nacht in Kandi ging es dann aber weiter nach Banikoara und von dort auf meinen geliebten, einsamen Sandpisten nach Kérémou und Mékrou, um dann ein weiteres Mal über die grüne Grenze und ohne entsprechendes Visum in burkinabisches Staatsgebiet einzudringen.

Eine weitere wichtige Kreuzung (dieses Mal sogar mit Straßenschild) auf meiner Reise durch Westafrika: geradeaus geht es Richtung burkinabische Zivilisation; mein Weg führte aber nach links, zurück in die beninische Savanne.
Nach Mékrou war ich für fast 70 km auf einsamen Sandpisten unterwegs, ehe ich Konkombri, den Eingang zum Nationalpark "Pendjari" erreichte. Die nächsten zwei Tage verbrachte ich dann eben in diesem Nationalpark - und dieses Mal ohne "guide". Pendjari ist im Gegensatz zum W-Nationalpark sehr gut organisiert was Infrastruktur anbelangt. Zum Vergleich: Im Nationalpark W habe ich während der ganzen vier Tage keinen einzigen anderen Touristen gesehen. Im Pendjari-Park traf ich regelmäßig auf andere Autos, vollgepackt mit Touristen. Ein weiterer gewichtiger Unterschied: Die Population an Herbivoren im Pendjari übertrifft jene des Ws um ein Vielfaches. Dementsprechend ist natürlich auch die Population der Großkatzen eine ganz andere. Ja und deshalb, habe ich dieses Mal nicht nur Löwen gehört, sondern auch gesehen. Die erste Sichtung war am Abend des ersten Tages. Es war schon dunkel und ich profitierte von einem Geländewagen, der sich vor mir befand und in dessen Scheinwerferlicht ich eine Löwin entdeckte. Der Geländewagen vor mir übernahm dann die Verfolgung eben dieser Löwin. Ich hatte inzwischen mein Licht ausgeschaltet und wollte dem Auto vor mir folgen, als ich im letzten Augenblick bemerkte, dass zwei weitere Löwinnen direkt neben meinem Fahrerfenster standen. Das Fenster hatte ich vorsichtshalber schon bei der Sichtung der ersten Löwin geschlossen. Ich machte mein Licht dann wieder an und die zwei Löwinnen querten direkt vor meinem Auto im Fernlicht die Straße. Ich war dermaßen aufgeregt, dass ich leider kein einziges Foto zusammenbrachte. Das Foto durfte ich dann aber am nächsten Tag nachholen:

Löwin (Panthera leo) an der "Mare Bali"

An diesem zweiten Tag verließ ich dann aber auch schon wieder den Nationalpark Pendjari in Richtung Batia. Von Batia fuhr ich anschließend nach Tanongou, wo ich mir noch die Wasserfälle anschaute.

Der obere der zwei Wasserfälle in Tanongou
Von Tanongou ging die Reise weiter nach Tanguiéta und Natitingou. In Natitingou verbrachte ich meinen letzten Abend in Benin und ließ meine Zeit in diesem westafrikanischen Land nochmals Revue passieren: meine spannende Ankunft in Benin, meinen Aufenthalt in Cotonou, mein Besuch bei den Fischern von Kouvenafide und all meine Wildtiersichtungen in den beiden Nationalparks - anbei eine nicht vollständige Liste meiner Sichtungen:

Säuger: Anubispavian (Papio anubis), Husarenaffe (Erythrocebus patas), Tantalus-Grünmeerkatze (Chlorocebus tantalus), Demidoff-Galago (Galagoides demidoff demidoff), Streifenschakal (Canis adustus), Afrikanische Zibetkatze (Civettictis civetta), Löwe (Panthera leo), Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana), Flusspferd (Hippopotamus amphibius), Warzenschwein (Phacochoerus africanus),  Afrikanischer Büffel (Syncerus caffer), Buschbock (Tragelaphus scriptus), Kronenducker (Sylvicapra grimmia), Kob (Kobus kob), Wasserbock (Kobus ellipsiprymnus), Kuhantilope (Alcelaphus buselaphus major), Pferdeantilope (Hippotragus equinus), sowie diverse Fledermäuse, Eichhörnchen und Mäuse, die ich nicht bestimmen konnte.

Husarenaffe (Erythrocebus patas) im nigrischen Teil des Nationalparks W
Kuhantilope (Alcelaphus buselaphus major) im nigrischen Teil des Nationalparks W
Kob (Kobus kob) am "Mare Tapoa" im nigrischen Teil des Nationalparks W
Vögel: Graureiher (Ardea cinerea), Kuhreiher (Bubulcus ibis), Hammerkopf (Scopus umbretta), Wollhalsstorch (Ciconia episcopus), Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis), Marabu (Leptoptilos crumeniferus), Hagedasch (Bostrychia hagedash), Sporngans (Plectropterus gambensis), Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer), Höhlenweihe (Polyboroides typus),  Gaukler (Terathopius ecaudatus), Kappengeier (Necrosyrtes monachus), Weißrückengeier (Gyps africanus), Heuschreckenbussard (Butastur rufipennis), Graufalke (Falco ardosiaceus), Doppelspornfrankolin (Francolinus bicalcaratus), Felsenrebhuhn (Ptilopachus petrosus), Helmperlhuhn (Numida meleagris galeata), Blaustirn-Blatthühnchen (Actophilornis africana), Kafferntrappe (Neotis denhami), Spornkiebitz (Vanellus spinosus), Buschflughuhn (Pterocles quadricinctus), Waalietaube (Treron waalia), Guineataube (Columba guinea), Röteltaube (Streptopelia vinacea), Erzflecktäubchen (Turtur abyssinicus), Mohrenkopfpapagei (Poicephalus senegalus), Schwarzschwanz-Lärmvogel (Crinifer piscator), Spornkuckuck (Centropus senegalensis), Graufischer (Ceryle rudis), Rotkehlspint (Merops bullocki), Senegalracke (Coracias abyssinicus), Wiedehopf (Upupa epops), Grautoko (Tockus nasutus), Rotschnabeltoko (Tockus erythrorhynchus), Nördlicher Hornrabe (Bucorvus abyssinicus), Rußheckensänger (Cercotrichas podobe), Goldscheitelwürger (Laniarius barbarus), Blutschnabelweber (Quelea quelea), Grauastrild (Estrilda troglodytes), Senegalamarant (Lagonosticta senegala), und viele weitere KBVs und KSVs.

Nördlicher Hornrabe (Bucorvus abyssinicus) im beninischen Teil des Nationalparks W
Rotkehlspint (Merops bullocki) im Nationalpark Pendjari
Buschflughuhn (Pterocles quadricinctus) in Pérélégou im nigrischen Teil des Nationalparks W
Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer) am "Mare Alfakoara" im beninischen Teil des Nationalparks W
Senegalracke (Coracias abyssinicus) im Nationalpark Pendjari
Reptilien: Nilkrokodil (Crocodylus niloticus), Nilwaran (Varanus niloticus), und wahrscheinlich eine Grüne Buschviper (Atheris squamigera), die in meinem Fall aber gelblich gefärbt war.

Von Natitingou ging es dann auf ins Atakora-Gebirge: erst nach Boukoumbé, einem beninischen Grenzdorf und dann nach Nadoba, das schon auf der togolesischen Seite liegt. Die Fahrt führte weiter über Kandé und Niamtougou nach Kara. Was die Landschaft anbelangt, so war diese Strecke durchs Atakora-Gebirge neben der "ring road" in Kamerun der bisher schönste Teil meiner Reise: eine Fahrt durch eine idyllische Hügellandschaft mit pittoresken Dörfern.

Ein "tata" in der Nähe von Boukoumbé
Ich genoss meine Zeit im Benin sehr; manchmal finde ich es schon unverschämt, dass eine einzelne Person so zufrieden und glücklich sein darf. Ich habe mir aber auch ein wenig Gedanken über mein Reisetempo gemacht. Für die drei Länder Kamerun, Nigeria und Benin brauchte ich knappe 2,5 Monate. Sollte ich in diesem Tempo weiterfahren, komme ich nicht vor 2013 in Europa an. Mein weiterer Reiseplan schaut so aus, dass ich nochmals zurück ins Atakora-Gebirge fahren möchte, um für ein paar Tage in dieser Gegend zu wandern. Anschließend geht es direkt in den Süden an die Atlantikküste, um in Lomé mein Visum für Ghana zu organisieren.

Ich habe diesen Blog eingerichtet, um von meiner Heimreise von Gabun nach Österreich zu berichten. All jene, die auch wirklich nur die Reiseberichte von mir lesen wollen, sollten den folgenden Absatz einfach nicht mehr lesen. Ich wollte hier eigentlich keine politischen Kommentare abgeben, möchte es nun aber dennoch tun - vielleicht deshalb, weil ich hier vor Ort die österreichische Innenpolitik nur halbherzig diskutieren kann.

Am 27. Januar 2012 wurde so wie jedes Jahr an diesem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedacht. In Deutschland hielt an diesem Tag Marcel Reich-Ranicki eine berührende Rede im Bundestag. In Österreich feierten sich - am selben Tag - die Deutsch-Nationalen des Landes in der Hofburg. Und dem nicht genug: Der Führer der Deutsch-Nationalen in Österreich, HC Strache bezeichnete sich und sein Gefolge an diesem Abend als die "Neuen Juden". Das ist dermaßen geschmacklos, dass mir die Worte fehlen. Zu wissen, dass aber bis zu 30% der österreichischen Bevölkerung trotzdem (oder gerade deshalb) gedenken diesem Rechtsaußen bei der nächsten Nationalratswahl ihre Stimme zu geben, ist einfach nur beschämend für mein Heimatland!